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Online-Umfragen effizient

4.7 Empfehlungen für webbasierte Umfragen

Folgende Empfehlungen werden von Gräf als Leitlinien zur Sicherung der Qualität der Daten gegeben und haben hier einen zusammenfassenden Übersichtscharakter (vgl. Gräf 1999, S. 169):

  1. Technische Erfordernisse bedenken,
  2. Nach den Regeln der empirischen Sozialforschung formulieren,
  3. Glaubwürdige Kommunikation mit den Antwortenden herstellen,
  4. Aufmerksamkeit erzeugen und wachhalten,
  5. Anspruchsvolles Design verwenden und Usability-Kriterien umsetzen,
  6. Zentrale Textstellen hervorheben,
  7. Matrixfragen vermeiden,
  8. Fragebogen kurz halten,
  9. Filterfragen einsetzen,
  10. Pretest durchführen.

Viele der Empfehlungen von Gräf decken sich mit den Hinweisen aus dem dritten Kapitel dieser Arbeit. Im folgenden wird auf bisher noch nicht erläuterte Punkte näher eingegangen, also auf die technischen Erfordernisse, Usability- Kriterien und eine verbesserten Form des Pretests.

Technische Erfordernissebedenken

Dem Ersteller einer webbasierten Umfrage sollten als technische Details folgende Informationen zur Verfügung stehen: die vorliegende Hardware, d.h. die Übertragungsgeschwindigkeit des Netzzugangs des Teilnehmers, die Monitorauflösungen der Befragten und deren Vorkenntnisse in der Benutzung.

Die Kenntnis des Netzzuganges (Modem, ISDN oder Festzugang) läßt eine Einschätzung zu, mit welcher Geschwindigkeit Daten übertragen werden können. Dies kann die Nutzung von Grafiken einschränken und die multimediale Unterstützung durch Ton und Video ausschließen. Die Übertragungszeit und damit verbunden der Einsatz von multimedialen Elementen muß so gewählt werden, daß auch den Personen mit dem langsamsten Netzzugang der Fragebogen in einer akzeptablen Zeit zur Verfügung steht (vgl. Gräf 1999, S. 169).

Die Bildschirmgröße bzw. die Bildschirmauflösungist ein wichtiges Kriterium für eine optimale Darstellung. Ist diese bekannt, weil die Umfrage auf einem Firmennetzwerk durchgeführt wird, kann das Layout auf diese Umgebung optimiert werden. Ist sie unbekannt, was vor allem im Internet der Fall sein dürfte, sollte darauf geachtet werden, daß die Umfrage auch mit Minimalbedingungen, also mit einer Bildschirmauflösung von 640x480 bei Teilnehmern mit kleinen Bildschirmen vollständig angezeigt wird (vgl. Gräf 1999, S.169).

Der Einsatz von Java Applets kann in Firmennetzwerken durchaus praktikabel sein. Unter unsicheren Voraussetzungen können die Nachteile jedoch schwerer wiegen als die Vorteile. Sicherheitsbewußte Internetbenutzer haben die automatische Ausführung von Java Applets unterbunden. Diese Nutzer würden durch ihre Verwendung gezwungen, Einstellungen an ihrer Software an dem Internetbrowser zu ändern, um den Fragebogen ausfüllen zu können. Eine weitere Hürde wird also u. U. durch den Einsatz von Java Applets erzeugt.

Die technischen Voraussetzungen sollten sich also am unteren Niveau der Möglichkeiten der Zielgruppe orientieren.

Usability-Kriterien

Usabilityist ein Kunstwort aus ‚use‘ und ‚ability‘ - eine Umschreibung für die bestmögliche Benutzbarkeit einer Anwendung oder eines Gerätes. Anhand von Probanden wird beispielsweise der webbasierte Fragebogen auf seine Handhabbarkeit überprüft. Sie werden beim Ausfüllen beobachtet und ihre Reaktionen aufgezeichnet. Somit wird die bestmögliche Lage für Bedienungselemente wie Buttons und Eingabefelder empirisch bestimmt.

Aus der Usability-Forschung zur Benutzbarkeit von Internet-Auftritten ist bekannt, daß Nutzer wenig Verständnis für schlechtes Design aufbringen (Nielsen in Gräf 1999, S. 171). So sollte das Scrollen des Bildschirminhaltes auf ein Minimum beschränkt sein. Weiterhin sollten Wechsel zwischen den Bedienungselementen Tastatur und Maus so selten wie möglich stattfinden müssen. Die Bedienung ist so einfach wie möglich und für jeden verständlich zu gestalten (Gräf 1999, S. 171).

Der Unterschied zwischen Usability und Pretest liegen unter anderem im Technikeinsatz. Bei einer gehobenen Usability-Untersuchung werden die Reaktionen (Video), die Augenbewegungen zum Verfolgen der Blickrichtungen und die Aktionen selbst aufgezeichnet. Beim Pretest wird in der Regel der Fragebogen durch mehrere Versuchspersonen ausgefüllt, und der Untersuchungsleiter erhält durch diese ein persönliches Feedback.

Pretests über eine Mailingliste

Ergänzend zum dritten Kapitel soll hier die Möglichkeit eines Pretestsüber eine Mailinglisteerwähnt werden. Durch das Senden einer E-Mail mit Hinweisen zur Internetadresse des Fragebogens bzw. mit dem Fragebogen selbst an Experten erhält man ein Feedback von diesen. Diese Mailingliste[1] ist ein Angebot der ‚German Internet Research‘.
Hier finden vor allem aktuelle Diskussionen zu der deutschen Internet- Forschung statt. Dabei engagieren sich unter anderem Wolfgang Beywl, Werner Stangl und Bernad Batinic, deren Arbeiten eine Grundlage dieser Arbeit darstellen.

[1] Unter der http://www.dgof.de/info/info3.html können sich Interessierte für die Liste anmelden, bekommen dann fortlaufend die aktuelle Diskussion per E-Mail zugestellt und können sich gegebenenfalls daran beteiligen.

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