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Online-Umfragen effizient

4.6 Die fünf häufigsten Fehler bei webbasierten Umfragen

Nach Gräf (1999, S. 159) sind die 5 häufigsten Fehler bei WWW-Umfragen:

Im folgenden wird ausgehend von Gräfs Auflistung näher auf Fehler eingegangen, die ‚webspezifisch‘ sind und deshalb noch nicht im dritten Kapitel beschrieben wurden.

4.6.1 Handwerkliche Fehler: Voreinstellungen bei Formularen

Verschiedene Formularelemente, beispielsweise bestimmte Auswahlkästchen, können mit einer Voreinstellung belegt werden. Dadurch ist z.B. das erste Kästchen bereits ‚angekreuzt‘. Achtet der Proband nicht darauf und überspringt versehentlich diese Frage, wird die voreingestellte Antwort übernommen und verzerrt dementsprechend das Ergebnis.So entsteht „eher ein Spiegel des Ausmaßes der Faulheit der speziellen Umfragegruppe als ein Gradmesser der Meinungen“ (Gräf 1999, S.161).

4.6.2 Fragebogen zu lang

Besonders bei webbasierten Fragebogen muß auf die Anzahl der Fragen und die Länge des Fragebogens geachtet werden (vgl.3.4.6). Als Besonderheit darf bei webbasierten Fragebogen nicht übersehen werden, daß eine Frage nicht nur als eine Frage gewertet wird, sondern jeder dieser Vergleiche als eine Einheit, wenn Vergleiche in der Frage angestellt werden (vgl. Abbildung). Durch ein entsprechendes Layout kann die Länge des Fragebogens getarnt werden.

[Abb. 70: zu viele Fragen - 24 Einheiten in einer Frage (Gräf 1999, S. 162)

4.6.3 Fragebogen zu langweilig

Ein Fragebogen sollte wie ein Gespräch aufgebaut werden, mit mehreren Gesprächsabschnitten (Gräf 1999, S.164).
Fragen, die den Befragten nicht herausfordern oder interessieren, können schnell Langeweile aufkommen lassen. Auch dies ist ein Aspekt von demografischen Daten, d.h. die Erhebung von Eigenschaften am Anfang eines Fragebogens kann langweilen, da man nichts neues über sich erfährt, sondern nur Faktenwissen preisgibt, abgesehen davon, daß man ungern Fremden etwas über sich erzählt.

Ist der Fragebogen nach dem ‚eine Frage – eine Bildschirmseite‘-Verfahren aufgebaut, kann eine zu langsame Übertragung der neuen Fragen (und der aktuellen Antworten) auch die Geduld des Befragten strapazieren.

4.6.4 Fragen sind nicht medienadäquatformuliert bzw. präsentiert

Die Lesegewohnheiten am Bildschirm sind anders als die bei gedrucktem Papier. Nach Gräf (1999, S. 165) sinkt die Lesegeschwindigkeit um 25 %. Des weiteren werden meistens die Texte nur überflogen. Das hat wahrscheinlich die Ursache darin, daß viele Nutzer des WWW ihre Onlinezeit (Internetzugang) mit den entsprechenden Telefonkosten bezahlen und deshalb ihre Lesegewohnheiten auf das kostengünstigere Überfliegen umgestellt haben. Dieser Faktor sollte umso stärker Beachtung finden, je mehr das Ausfüllen des Fragebogens für Teilnehmer mit Onlinekosten verbunden ist. Das bedeutet nach Gräf (ebd.), daß ein „guter WWW-Autor (...) 50 % weniger schreiben„ soll als ein herkömmlicher Autor.

Beim Layout sollte darauf geachtet werden, daß alle wichtigen Texte sichtbar sind und die Schriftgröße als angenehm empfunden wird. Durch eine geschickte Farbwahl kann intuitiv eine Lenkung des Befragten erfolgen, damit dieser sofort die Frage erkennt und auch sofort die Antwortkategorien zuweisen kann.

4.6.5 Matrixfragenim Tabellenformat sind ungeeignet

Oft sieht man Fragebatterien in Form von Tabellen wie in folgender Abbildung.

[Abb. 71: Fragebatterien (Gräf 1999, S. 163)

Dies ist denkbar ungeschickt. Für das Auge wird der Zusammenhang zwischen Frage, Antwortkategorie und Antwortskalierung aufgehoben, bzw. ein hoher Konzentrationsaufwand ist erforderlich. Hat man die Frage endlich erfaßt, dann muß mühsam die Fragenkategorie gelesen werden. Ist das geschehen, dann benötigt man noch die Ausprägung, die in dem Tabellenkopf vermerkt ist, wobei man möglicherweise um eine Zeile verrutscht.
Ab einer bestimmten Größe der Fragebatterie können die Antwortkategorien aus dem Blickfeld verschwinden.
Auch hier kann Faulheit zuschlagen, wenn der Befragte aus Gründen der Einfachheit alle Fragen untereinander ankreuzt.

Durch das Layout dürfen keine Antwortfehler induziert werden. So sollten Matrixfragen in Tabellenform vermieden werden, da Befragte unter Umständen, unabhängig von ihrer wahren Meinung, die Felder bzw. Schaltflächen wählen, die mit der Maus am leichtesten erreichbar sind (Gräf 1999, S. 172). Gleichförmige Antwortskalen verführen zu einer kognitiv einfacher zu erkennenden Antworttendenz als eine immer neue Positionsbestimmung, welche die Aufmerksamkeit aufrecht erhält (vgl. folgende zwei Abbildungen) (Gräf 1999, S. 166).

[Abb. 72: Für Beantwortungsfehler anfälliges Matrixformat (Gräf 1999, S. 168).

[Abb. 73: Das vorhergehende Problem wird aufgehoben

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